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Klingelzeichen

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Mit ihren kurzsichtigen Augen spähte sie zur Digitaluhr über der Tür. Erst 12 Minuten! Viel zu kurz! Sie spürte, wie Schweiß in Strömen über ihren nackten Körper rann, sich einen Weg zwischen ihren Brüsten bahnte, um sich in ihrem Nabel zu sammeln. 

Keiner der anderen machte Anstalten etwas zu unternehmen. Träge, fast wie tot, saßen oder lagen sie einfach da. 

Vorsichtig erhob sie sich, tastete sich im heißen Halbdunkel zum Schalter. Ein kurzes Drücken. Zufrieden ließ sie sich zurück auf die glühende Bank fallen. 

Endlich - die Tür ging auf!

„Hallo Leute“, sagte der Saunawart gutgelaunt.  „Hier kommt euer bestellter Aufguss.“ 



veredit©isabella.kramer25



Drabble s. Wikipedia ... "Ein Drabble ist eine pointierte Geschichte, die aus exakt 100 Wörtern besteht. Dabei wird die Überschrift nicht mitgezählt. Ursprünglich als Fanfiction betrieben, wird sie aufgrund ihrer einfachen äußeren Form gerne von ungeübten Autoren als Einstieg in Lyrik oder Prosa genutzt. Durch die Beschränkung auf das Wesentliche stellt das Schreiben von Drabbles auch für erfahrene Autoren eine Herausforderung dar. "



Foto von HUUM auf Unsplash

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"Prognose eines Zustandes der Atmosphäre..."






Die Vorhersagen ließen es nicht nach einem gelungenen Urlaub erscheinen. Eigentlich wäre es sogar klüger, überhaupt erst nicht los zu fahren. Jedenfalls nicht in dieser Woche. Täglich würde es kühler werden und für den Rest der geplanten Zeit auch noch regnen. Doch unverdrossen, wie es echte Norddeutsche nun einmal sind, für die es ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern lediglich unpassende Kleidung gibt, machten wir uns auf den Weg. 


Unser Optimismus sollte belohnt werden. Vom ersten bis zum letzten Tag strahlte eine herrliche Mittelmeersonne vom blitzblauen Himmel. Tiefblaue Buchten mit Hängen voller Blüten, milde Temperaturen - Frühling an der Costa Brava. 





veredit©isabella.kramer25






Drabble s. Wikipedia ... "Ein Drabble ist eine pointierte Geschichte, die aus exakt 100 Wörtern besteht. Dabei wird die Überschrift nicht mitgezählt. Ursprünglich als Fanfiction betrieben, wird sie aufgrund ihrer einfachen äußeren Form gerne von ungeübten Autoren als Einstieg in Lyrik oder Prosa genutzt. Durch die Beschränkung auf das Wesentliche stellt das Schreiben von Drabbles auch für erfahrene Autoren eine Herausforderung dar. "





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una promesa





una promesa

das erste licht der morgensonne
über den fernen bergen im dunst 

verschlafen wiegt der wüstenwind
 palmwedel und lichtstreifen
sacht vor und zurück 

tauben gurren 



veredit©isabella.kramer23






Gartennotizen -5. Mai 2023



...spät doch umso grüner Leuchtfeuer gleich breitet sich all das Frische durch Hecken Beete und Bäume. Weißaufgeschäumt die Brautspieren, als gäbe es Preise zu gewinnen - sogar der alte Flieder hat beschlossen doch noch nicht abzuleben und hat eine mehr als lobenswerte Anzahl herrlich duftender, violetter Kerzen gesetzt. Aber den Atem raubt der Anblick des knorrigen dunklen Zierapfel, ja genau,  es ist der, der vor drei Jahren sterbenskrank aussah. Es müssen Millionen sein, die er von seinen tief pinkfarbenen Blüten in den blitzblauen Himmel reckt und die Bienen feiern mit ihm ununterbrochen ein Fest. Nun, man sollte nicht so schnell aufgeben, ist wohl der Sinn, der in diesem Frühling steckt und so tue ich es ihm gleich. 



veredit©isabella.kramer23



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Gartennotizen - 27. Juli 2022




mitten im hochsommer fühl ich die dankbarkeit gegenüber den eichen ihr herrlicher schatten bereichert und schützt unser grünes reich sicher im herbst wird meine zuneigung wie immer stark nachlassen ich brauche sie wahrlich nicht die trillionen von eicheln in den beeten vom unverrottbaren laub will ich gar nicht erst anfangen aber jetzt sind sie mir ersehnte kühle spendende gefährten heimat von allerlei gefiederten gartenfreunden die zum teil eine höchst musikalische vorliebe für die allerersten stunden des tages haben was sich zugegeben durchaus nicht mit meinem schlafbedürfnis deckt aber wir alle lieben sie diese mächtigen riesen am rande unseres garten besonders wenn das julilicht sein tanzendes spiel aufführt und der wind von süd eine nach ferne duftende melodie dazu spendet - gibt es dazu noch ein selbstgemachtes himbeereis bin ich mir völlig sicher warum die farbe des glücks grün ist


veredit©isabella.kramer22



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Gartennotizen, 9. Juli 2022





...wie kann man den sommer nicht lieben das satte duftende grün nicht wie ein rausch über sich kommen lassen auf das beste ergänzt von phloxwolken die ihren atem besonders in den weißen nächten verschwenderisch über alles legen mag draußen auch alles drunter und drüber gehen der kleine frosch plätschert gelassen vor sich hin und am grab der katze blühen die margeriten



veredit©isabella.kramer22


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Gartennotizen - 18. Mai 2022



zwischen den blühenden Maiglöckchen und duftendem Waldmeister sät sich seit Jahren mehr und mehr Rasen ein. Recht so, denke ich, alter Freund, wo doch scheinbar alle Unkräuter der Welt deinen Platz besetzen. Wir müssen uns eben alle anpassen und sehen, wo wir bleiben und gönne dir von Herzen deine neue Nachbarschaft. Nur dem Schneckensieg über alles was frisch grünt, den werde ich nicht einfach so hinnehmen. 





veredit©isabella.kramer22


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stille nacht



mit den engeln singen schnee von tannen schütteln stobende funkelnde wolken aus tausend gleißenden flocken und mehr glitzernde tanzende winterkinder unter dem sterbenden stern geboren eingeschworen auf einander wieder und wieder der liebe zugetan du mein windgespiele der eisklaren nächte hörst dieses lied der nordwind trägt es dir zu und die nacht legt ihr samtenes notenblatt direkt ans offene herz so und nicht anders ist es wenn man mit den engeln singt


veredit©isabella.kramer2019


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Entfolgen

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kann man entfolgen wen man nicht kennt 
disliken was man nicht versteht 
zählt nur der akt das zeichen 
disteln zu säen auf trockenem boden 
wo sowieso kaum noch hoffnung wächst 
scharfkantige scherben sich unter die dünne haut schieben
 und nur noch der weg hinter den zaun offen ist




veredit©isabella.kramer2018


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herzaufgang

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aus dem vollen eingeschenkt willkommen du liebes leben - himmelwärts weißblau unten die krokuspalette rauf und runter tausendfach und noch viel mehr farbauffrischung mit wonne verteilt auf gestern noch struppig braunes als ob alles das nicht schon reichlich und mehr als genug wäre schmilzt der amselgesang die letzten eiskrusten einfach hinfort so genau so ist es also wenn das herz aufgeht



veredit©isabella.kramer2018



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er ist's

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er ist's 
und eins ist sicher
dieses mal
er ist es nicht
nicht einmal 
annähernd 
so gar nichts süßes
duftendes kein
veilchen weit und 
breit von den 
harfentönen schweigen
wir mal

wollen balde kommen!

du weißt ja 
was ich von leeren 
versprechen halte
wenn die kleinen krokusse
nicht wären würde 
ich verzweifeln 



veredit©isabella.kramer2018




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unter Rosen

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alles sehnen alle liebe lege ich unter diese vollen rosen mein müdes haupt in deinen schützenden schoss gebe mich ganz und gar in die kraft deiner haltenden hände den duft die lockung des garten auskosten weit über alle grenzen hinaus und doch ganz bei uns glauben wissen all jene rosen blühen nur unserthalben und die nachtigall singt





 





veredit©isabella.kramer2017




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reibeisen nr. 34




reib 
                                   eisen Nr. 34                                 


Das internationale Kulturmagazin aus Kapfenberg
Nr. 34

Jahrgang 2017
Europa
Literatur
Kreis Kapfenberg ist erschienen und

ich bin überglücklich und richtig stolz im neuen reibeisen mit nicht nur mit drei  Gedichten vertreten zu sein, sondern auch einer meiner "Herzenstexte" hat meine Präsenz in diesem wundervollen Kulturmagazin auf nahezu sage und schreibe 3 !!! Seiten ausgedehnt.  Im 6. Jahr in Folge bin ich dabei, das spornt an und gibt Energie für die Zukunft. 



Gedichte: 







Prosa:








Besonders hervorzuheben finde ich bei der Jurierung für das jährliche reibeisen , dass sie nach wie vor anonymisiert erfolgt, so dass wirklich der Text und nicht der Autor ausgewählt wird. Mein tiefer Dank an all jene Unermüdlichen, die dieses wundbare internationale Magazin auf seinem ausgesprochen hohen Niveau Jahr für Jahr ermöglichen. Es ist mir eine große Ehre als Autor dazu zu gehören. 




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Ans Meer

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nur ans meer sind wir so zwischen ebbe und flut zwischen gelb und blau zwischen dir und mir und der stille die heilt dem licht das sich schenkt der weite im überfluss und dann der wind der uns an sich drückt wie ein alter freund und es ist gut dieses nur denn wir brauchen nicht mehr wissen wir haben längst alles - nur ans meer




veredit©isabella.kramer17






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Unzertrennlich

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Dämmerig war es und roch auf angenehme Weise nach Geborgenheit, Schmieröl und rostigem Eisen.  An Farben kann ich mich nicht erinnern, aber an den kleinen Hocker, den er mir neben seine Arbeitsbank schob. Sie war gespickt mit Unmengen von eigentümlichen Werkzeugen. Wenn ich ihn fragte, wofür dieses oder jenes wohl gut sei, bekam ich immer eine sehr lehrreiche Antwort, nie ein Abwiegeln oder Ausweichen. Es war ein ganz und gar herrlicher, aus jeder Zeit gefallener Ort und ganz ohne Frage war diese Werkstatt das ureigene Reich meines Großvaters.

Ich liebte es über alles hier bei ihm zu sein und ihm bei seinen, für mich meist unverständlichen, ja geheimnisvollen Tätigkeiten zuzuschauen. Mehr noch aber liebte ich es, wenn er mir von Russland erzählte, von seiner Zeit im Krieg, dem 2. Weltkrieg. Ja, er war als Soldat in diesen Krieg gezogen, aber irgendwie auch wieder nicht, das hatte ich sofort verstanden. Denn seine Aufgabe bestand nicht im Töten auf Befehl, oder Kämpfen, sondern im Löten, Schweißen, Schrauben und in Ordnungbringen. Mein Opa war schließlich Schlosser und genau das war es auch, was er dort in diesem Krieg getan hat. Es gab eine Werkstatt, auf Rädern natürlich, denn so ein Krieg bewegt sich ständig. Auf den vielen Schwarz-weiß Fotos, die er mir zur Untermalung seiner Geschichten zeigte, sah ich eine Art Bau- oder Zigeunerwagen und davor, jung, braungebrannt,  meinen Großvater Robert Hamerla und seine beiden Kollegen, wenn nicht einer von ihnen gerade das Bild gemacht hatte und so natürlich darauf fehlte. Meist trugen sie nur ein weißes Unterhemd auf dem Oberkörper, dann folgte ein Gürtel und die Armeehosen.
Unzertrennlich seien sie gewesen der Hamerla, der Kindervater und der Brandes. Sie waren alle drei Handwerker und dafür verantwortlich, zu reparieren, was so kaputtging beim in den Krieg ziehen, erzählte Großvater mir. Zum Schießen hatten sie auf diese Weise wenig Zeit und Lust sowieso nicht. Es war immer viel zu tun und dann war da noch diese Sache mit der Front. Die bewegt sich nämlich ständig hin und her und so ist es mehr als einmal geschehen, dass die drei mit ihrem Werkzeugwagen sich mit einem mal nicht mehr hinter der Front befanden, was ja viel besser zum ruhigen Arbeiten ist, sondern ohne, dass sie es gemerkt hätten, mitten in den feindlichen Linien feststeckten. Das war dann schon sehr gefährlich, aber die drei hatten den ganzen langen, schrecklichen Krieg über Glück – na ja, fast immer. Sie sind dann am Ende in Gefangenschaft geraten, aber auch dort blieben sie zusammen und konnten gemeinsam entkommen.

Er sprach von ihrem langen Fußmarsch nach Hause zurück, der Freundlichkeit der russischen Landbevölkerung, den schönen russischen Frauen. Wenn Großmutter das hörte, schimpfte sie immer, ich sei doch erst sechs Jahre alt und viel zu jung für solcherlei Geschichten.
Was mich und glücklicherweise auch meinen Großvater nie hinderte unsere Gesprächsstunde bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit genau dort wieder aufzunehmen, wo wir unterbrochen worden waren.

Ja, diese drei Männer, das war schon eine ganz besondere Gemeinschaft und selbst jetzt noch, Jahrzehnte danach, verging kein Jahr, in dem sie sich nicht wenigstens einmal im Jahr besuchten.

Mein Großvater starb dann zwei Jahre nachdem ich aus meinem Heimatdorf nach Hildesheim gegangen war, um meine Krankenschwesternausbildung zu beginnen.

Einige seiner alten Fotos begleiten mich seit jeher. Fast zwei Jahrzehnte schon, er war viel zu früh, mit knapp 70 Jahren, gestorben und ich vermisse ihn manchmal noch sehr.

Vor wenigen Wochen saß ich auf der Terrasse meiner Schwiegereltern. Sie haben eine Gärtnerei auf die man von diesem Platz aus hinunterschaut und es war ein warmer und wirklich herrlicher Maitag. Ich solle doch bitte warten und noch ein wenig dort oben sitzen bleiben, meinte meine Schwiegermutter, denn der Großvater meiner Schwägerin Monika wolle mit frisch gestochenem Spargel vorbeischauen und den könne ich ihm dann gut abnehmen, während sie noch rasch etwas ausliefern müsse.
„Ja, ist in Ordnung,“ meint ich leicht mürrisch, „ aber bitte lass mich mit dem alten und mir ja völlig unbekannten Mann nicht so lange allein hier sitzen.“.
Sie war schon so gut, wie weg und antwortete nur mit einem „Natürlich, ich beeil mich“. Also ganz ehrlich, begeistert war  ich nicht, denn ihr Zeitgefühl war recht entspannt und meine Aufgabe erschien ihr nett und unkompliziert. Erkannt habe ich ihn dann auch sofort, war ja nicht schwer. Ein alter, nett ausschauender Herr mit einer hölzernen Kiste in den Händen, die er schwungvoll auf dem Stuhl, direkt über meinem Strickzeug absetzte, sodass der Sand sich rieselnd darauf ergoss.

„Prima!“ dachte ich, „so macht man Punkte.“ Lächelte aber, gut erzogen wie ich bin, trennte Spargelkiste und Strickzeug voneinander und bot dem alten Herrn einen Stuhl und ein Getränk an. Beides wurde dankend angenommen und zudem ein Lob für den Spargel eingefordert. Der erschien mir nun doch keines großen Lobes wert, so fingerdünn, wie die Stangen waren, sah ich einer kniffeligen Schälarbeit entgegen. Aber ja, das war schon nett, so eine Kiste voller Spargel zu verschenken, sagte ich aber doch.
Ob ich die Qualität denn nicht beeindruckend fände.  Er mit großem Fragezeichen in der Stimme. Puh, das ging jetzt doch etwas weit. „Nun ja,“ bemerkte ich aufrichtig, „ein wenig dünn sind die Stangen ja, aber sehr schön weiß“ fügte ich versöhnlich hinzu.
„Verstehen sie etwas von Spargel?“ fragte er nun.
„Klar, ich komme aus einer Spargelgegend und wir haben in meiner Kindheit im Garten der Großeltern selbst Spargel angebaut.“ Jetzt hatte ich seine ungeteilte Aufmerksamkeit, so von Spargelkenner zu Spargelkennerin, sozusagen.

„Von wo kommen Sie denn her?“

„Aus Ebstorf, das ist ein Dorf in der Lüneburger Heide.“

„Wohnen Sie noch dort?“

„Nein, schon seit vielen Jahren nicht mehr. Warum?“

„Ach, ich hatte dort einmal einen Freund. Aber den werden Sie nicht kennen. Sein Name war  Robert Hamerla, er ist schon lange tot.“

In diesem Moment wurde mir die Kehle ganz eng und ich war froh, dass ich saß. Mit zitternder Stimme brachte ich kaum vernehmbar heraus:

„Das war mein Großvater!“

Mein Gegenüber zeigte eine Reaktion, die, gleichwohl mit einigen Jahrzehnten Altersunterschied und noch einem Rest Unglauben, doch stark meinem eigenen unwirklichen Gefühl in diesem denkwürdigen Augenblick entsprach. Worte brachte er allerdings im Moment keine heraus, das mit dem Zuschnüren der Kehle hatte bei ihm wohl noch nachhaltiger als bei mir funktioniert.
Erst nach einigen surrealen Minuten des Einander Anstarrens meinte er: „Mein Gott!“ Woraufhin ich fragte, wie er denn hieße. Sein heiseres: „Brandes“ gab mir fast den Rest. Das war DER Brandes, aus dem Krieg, dem Werkzeugwagen, der Flucht und der jahrzehntelangen Freundschaft. „Brandes und Kindervater“, nannte ich die beiden für mich unvergesslichen Namen aus diesem denkwürdigen Dreiergespann. Der Skepsis in den Augen meines Gegenübers schwand augenblicklich dahin.

„Du liebe Güte, das ist ja wirklich fantastisch!“ Ich meinte es wirklich so. Der alte Herr fand allmählich Stimme und Fassung wieder und entgegnete: „Mann, das ist ja wirklich ein Ding, da wären der Robert und ich jetzt sogar miteinander verwandt!“

Wir redeten dann und redeten, er fragte nach Dingen aus der Vergangenheit, meiner Mutter, dem Haus meiner Großeltern. Die anderen kamen hinzu, wir versuchten unseren eigenartigen Gemütszustand zu erklären, die Einzigartigkeit dieser Begegnung, es gelang nur spärlich.

Die besondere Magie dieses Augenblicks verstanden wohl nur er und ich so richtig.
Wir hatten sie gefühlt, die Hand des Schicksals und wir sahen es beide, hier hatten sich noch einmal im Leben ganz besondere Wege gekreuzt, über den Tod hinaus.



veredit©isabella.kramer2014




Die Fotografie (Privatbesitz) zeigt wirklich meinen Großvater Robert Hamerla als jungen Mann, ca. 1933 aufgenommen in seinem täglichen Arbeitsfeld als Landmaschinenschlosser auf einem Bauernhof in der Region Ebstorf, bei Uelzen, Niedersachsen. 

Erstveröffentlichung im Internationalen Kulturmagazin aus Kapfenberg, Östereich - REIBEISEN Nr. 34 - Jahrgang 2017 




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gefunden

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wenn im pastell herbstlich müder wälder stille von abschiedsblättern tropft sommerbleiche gräser pilzige schätze schützen und der feuchte boden federnd schwingt bei jedem schritt duft wolken wehmutsgefüllt zwischen den birkenstämmen und ein verirrter lichtstrahl den weg weist finger tiefrot vom brombeersaft lippen berühren das herz übervoll und nähe ein tröstendes geschenk dann ist es ganz ihr herbst













veredit©isabella.kramer2013



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eintauchen

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im flirrenden licht mischten sich die farben zu einer warmen palette schmiegten sich weich und herrlich unscharf  an zart umarmende schattenlinien schläfrige vogelstimmen emsiges insektengesumm betörender rosenduft und die würze des rosmarins aber vor allem die farben ein meer aus irisierenden glühenden pulsierenden lockenden tönen durchströmend greifbar und doch nur ein hauch versprechen und wortloses verstehen sie schloss die augen atmete tief durch und liess sich in den sommer fallen ... 




veredit©isabella.kramer2013
 



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Geheimnis im Moor - oder dennoch





Oh ja, sie hatten ganze Arbeit geleistet, die Lichträuber, und über die weite, aller Farben beraubte Moorlandschaft drohte sich der Schleier aus Trostlosigkeit zu legen. Wäre da nicht an jedem Abend, in den letzten Minuten des bisschen sterbenden Lichtes eines grau getönten Tages dieser zarte, lachsfarbene Hauch am Himmel hinter den entlaubten, knorrigen Bäumen gewesen. Wie ein tröstendes Lächeln breitete sich ein feiner Streifen am unteren Rand der schweren Wolken aus, zog funkelnde Schlieren über den opalschwarzen See. Und dieser wartete scheinbar nur auf den Wind, der stets aus Osten kommend und mit Kälte gefüllt die dunkle Oberfläche kräuselte. Es war als zwinkerten die beiden sich zu, der rosa Lichtatem und der unergründliche See, als wären sie Verbündete. Hierher kamen die Grauen nicht auf ihrem Raubzug, glaubten, hier wäre nichts mehr zu holen und alles hätte sich längst ins Unabwendbare ergeben.

Sie erschien jeden Abend, setzte sich auf den großen Findling am Seeufer und genoss die Existenz dieses scheinbar irrealen Ortes. Der Wind zerzauste ihre Locken noch mehr, als es sowieso bei ihrer widerspenstigen Fülle immer der Fall war. Sie ließ ihm sein Spielzeug. Friedlich, entspannt und auf eine seltsame Weise erleichtert träumte sie mit halbgeöffneten Lidern in die Lichtstreifen des Sees. Erst wenn die Nacht endgültig hereingebrochen war, die Dunkelheit für heute tatsächlich gesiegt hatte, ging sie. „Bis Morgen“, flüsterte sie den tanzenden Reflexen zu und auf ihrem Heimweg durch das Moor sang sie ein fröhliches Lied.








isabella kramer© veredit 2012 



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