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Maibowle à la Wilhelm Busch

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Maibowle à la Wilhelm Busch

Der erste Schluck rinnt durch die Kehle
sogleich erfrischt sind Geist und Seele.
Worauf man ahnt, an's große Glück,
der zweite uns noch näher rückt.


Waldmeisterduft entsteigt dem Krug,
schon träumt man von dem nächsten Zug,
vom köstlichen frischen Perlentrank.
Ist reichlich da? Na, Gott sei Dank!


So kann man recht den Mai nur loben
und noch ein Gläschen angehoben.
Tags drauf, hinter des Dichters Stirn
Maikäferhorden ziehn durch's Hirn.




veredit©isabella.kramer09





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Das Lied der weißen Raben

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der winter hat sich aufs wintern besonnen!
vor tagen hat es zu schneien begonnen,
dabei ist der winter wohl eingeschlafen.
was klangen sie auch so lieblich, die harfen
vom eiswind aufs zärtlichste angeschlagen,
da konnte man schon ein nickerchen wagen.

doch nun aber sehn wir das ganze malheur,
mit anderen worten wir sehen gar nichts mehr.
es ist völlig weiß um uns, oben wie unten.
die welt da draußen im schnee versunken.
kein laut ist zu hören, die flocken fallen.
ein schneekugelfeeling geschenkt uns allen.

der nordwind türmt wehen 5 meter hoch
und bläßt und bläßt, doch der winter schläft noch,
oder hat er nur die kontrolle verloren
und das weiße treibt schabernack mit seinen ohren?
es pustet und wirbelt, es zischelt und pfeift.
zeit wird es dass er nun endlich begreift, 

wir sind so viel winter doch gar nicht gewöhnt.
auch wenn schnee die welt doch ziemlich verschönt.
selbst halligen werden mit weiß gesegnet,
wo's da doch im winter meistens nur regnet.
von süden nach norden ist alles vermummelt 
dabei hat der winter uns ganz schön beschummelt,

erst kommt er zu spät und die weihnacht ist grün,
dann kann er nicht einmal die notbremse ziehn.
so werden wir wohl im schnee versinken!
macht's gut liebe freunde - 
laßt mich noch mal winken... 


veredit©isabella.kramer26



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Klingelzeichen

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Mit ihren kurzsichtigen Augen spähte sie zur Digitaluhr über der Tür. Erst 12 Minuten! Viel zu kurz! Sie spürte, wie Schweiß in Strömen über ihren nackten Körper rann, sich einen Weg zwischen ihren Brüsten bahnte, um sich in ihrem Nabel zu sammeln. 

Keiner der anderen machte Anstalten etwas zu unternehmen. Träge, fast wie tot, saßen oder lagen sie einfach da. 

Vorsichtig erhob sie sich, tastete sich im heißen Halbdunkel zum Schalter. Ein kurzes Drücken. Zufrieden ließ sie sich zurück auf die glühende Bank fallen. 

Endlich - die Tür ging auf!

„Hallo Leute“, sagte der Saunawart gutgelaunt.  „Hier kommt euer bestellter Aufguss.“ 



veredit©isabella.kramer25



Drabble s. Wikipedia ... "Ein Drabble ist eine pointierte Geschichte, die aus exakt 100 Wörtern besteht. Dabei wird die Überschrift nicht mitgezählt. Ursprünglich als Fanfiction betrieben, wird sie aufgrund ihrer einfachen äußeren Form gerne von ungeübten Autoren als Einstieg in Lyrik oder Prosa genutzt. Durch die Beschränkung auf das Wesentliche stellt das Schreiben von Drabbles auch für erfahrene Autoren eine Herausforderung dar. "



Foto von HUUM auf Unsplash

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KurGeschichten oder ...abends Tango














Kurgeschichten - abends Tango


Zum Brunnen schlurfen Greisenhorden,
Trinkkur ist Labsal für den Magen!
sonst müsst man sich die Schwarzwaldtorten
am Nachmittag doch glatt versagen.

Darum lässt man sich am Morgen stählen,
in Schlamm verpacken, kalt bespritzen,
auf steilen Joggingstrecken quälen,
brodelnd in Schwefelbädern schwitzen.

Sadistenhände malträtieren,
Was einstmals man für Muskeln hielt.
Zum Lohn beim Tanztee kann’s passieren,
Dass man sich glatt wie Zwanzig fühlt.








veredit©isabella.kramer08


Halloween night

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Halloween night
on my sneeze

a disembodied 
voice 
calling out

bless you


©isabella.kramer







first published by Ai Li at "washed by sunset" April 2021



about cherita  





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Ein Lob dem Februar

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Ein Lob dem Februar

Der Februar, so man sagen,
besteht aus endlos kalten Tagen, 
aus grauen, lichtlos trüben Stunden,
die, sind sie endlich überwunden, 
in klirrend kalten Nächten enden.

Aus Grippewelle, klammen Händen,
tropfenden Nasen und glatten Wegen,
da ist der Karneval ein Segen. Bringt er
statt Schnupfen, doch das Lachen,
Helau, Alaaf und solche Sachen,

die, wenn sie richtig angewendet,
uns zeigen, dass es stets ein Ende
von derlei Kümmernissen gibt. Und wer 
den Fasching gar nicht liebt,
bemerkt, die Tage werden länger,

man hört die ersten Frühlingssänger.
Im Garten gibt es kleinste Zeichen,
dass Winter wird dem Frühling weichen,
Krokuss und Zaubernuss erblühen.

Man braucht sich gar nicht viel zu mühen,
um frohen Mutes durchzuhalten
und mancher dichtet dann sogar 
sein eigenes Lob dem Februar! 






veredit©isabella.kramer2019



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Keinen Herbst - no autumn

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keinen herbst
für mich bitte 
ich habe immer noch 
meine sommer


no autumn 
for me please
I still have
my summers 

veredit©isabella.kramer2018





warme schatten lagen
in den grossen beugen
des vergehenden sommers
ich nahm die erinnerung
an warme tage und nächte
als ein grosses geschenk mit auf den weg
und nährte die leise sehnsucht
in den grossen beugen
dunkler nächte




© Hermann Josef Schmitz


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Heute war ein guter Tag

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Heute war ein guter Tag


wir hatten vier bis fünf 
Abenteuer, eines haben wir
aus Zeitmangel in den 
Dezember verlegt 


danach verzehrten wir unser 
kleines ungesundes Abendbrot 
und ganz spät kam es 
dann doch  - das liebe Wort







veredit©isabella.kramer15






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Analyse

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Der Kryptiker liebt dichtes Dichten,
sein ganzes Augenmerk zu richten,
auf höchst verkürzte, knappe Zeilen.
Dort soll der Geist des Lesers weilen

und forschen in den kargen Sätzen,
trainieren sein Gehirn und schätzen,
was nebulös darin enthalten.
Wer hat, kann Fantasie entfalten.

Solch Knappheit bringt ja mannigfaltig,
dem Hirn den Spielraum, der gewaltig,
sich dreht um Verse, so wie „Puh!“
Da kann man grübeln immerzu,

sich stundenlang imaginieren
und braucht sich nicht mal zu genieren,
dass sich der Sinn nicht recht erschließt.
Es ist halt kryptisch, was man liest!

Dabei enthält der Verse Deutung,
ungleich der Seele eigene Häutung,
die solcher Klang hervor uns rief
Allein, wer wagt sich schon so tief?

Ob solcher Kargheit recht benommen,
man wird zu der Erkenntnis kommen,
dass Kryptik eine rechte Kunst,
man liest’s und hat nicht einen Dunst.

Jedoch der Kryptiker begnadet,
redu- und –ziert sich, unbeschadet.
Solch Unverständnis rührt ihn nicht.
Ach, Leser sind halt viel zu schlicht!





veredit©09






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Duftende Geigen und Rätselstaub

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Stoff schlüpft – entwagt er sich
und mittels Geigen duftet‘s auch ganz nett.
Die Presse runzelt Komik, glaubt wie wenn -
Tau applaudiert hinfort – bedächtigt Minarett.

Schockruh infolge Rätselstaub -
springt, kettet sich verdreht.
Das Mittagessen löst sich dösend nur,
wer’s glaubt und anders nicht versteht.

Insofern spitzt und streunt
der runzlig Liebreiz, glaubt
sich oberhalb - entzieht die Mittelfehler:
Wie? Wenn? obgleich er schraubt …

Paketgetrieb' ne - sind im Kern schon lieber.
Doch Stoff schlüpft - ohn' Verlaub
und es folgt - na was?
exakt: es ist der Rätselstaub.




veredit©isabella.kramer2011




Safe Creative #1101078215798



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by the way

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Ein smarter Mensch der ganz gewitzt,
Verstand mehr als genug besitzt
und auch des Lebens sehr erfahren,
artistisch, klug und im Gebaren
weltmännisch durch und durch geübt,
sein Urteil Stumpfsinn niemals trübt,

mit Scharfsinn, klug und echt begnadet,
recht plietsch, was niemals hat geschadet.
In jeder Hinsicht gut beschlagen,
imstand sich auch an schlechten Tagen
verständig, weise, patentiert,
ins Licht zu setzten, ganz versiert,

dabei auch listenreich und flott
durchbrechen lahmen Geistes Trott.
Er ist nicht auf den Kopf gefallen,
sein Sachverstand hilft ihm in allen
vertrackten Lebenslagen leicht,
dass er exakt sein Ziel erreicht.



veredit©09

Letzte Bitte

Tante Mimis letzter Wille










Das wär‘s dann bald gewesen sein,

drum schreibt mir bitte auf den Stein:

Hier ruht der Mimis letzte Asche -

Die Kleene mit der Blümchentasche

Sie reiste jedes Jahr nach Spanien

Jetzt guckt sie unter die Geranien

Ein nettes Ende fand ihr Leben

Hat viel genommen – auch gegeben

Die Gläschen hat sie nie gezählt,

sich meist das Vollste ausgewählt

Zum Lachen fand sie stets ‘nen Grund,

Vom Anfang bis zur zur letzten Stund‘

Mit Spaß gesungen, schräg und laut

Und niemals auf die Uhr geschaut

Sie war so gern in eurer Mitte

Drum gönnt ihr eine letzte Bitte:


Kommt ihr sie hier am Grab besuchen,

Vergesst bloß nicht ihren Butterkuchen!



veredit©2008