Broker's Safe Haven*



Armut kommt von Gier nach Reichtum
von der Sucht nach noch mehr Macht
von dem wahren seines Vorteils
Armut kommt nicht über Nacht

Private Equity Erträge
ausgepresst und optimiert
Brokertanz auf dem Parkett
gnadenlos wird maximiert

Dekadenz auf Luxusjachten
ganz egal der Weg dorthin
klirrend kalte Traderseelen
nur das Prassen macht noch Sinn

Noch mehr Gold auf Schweizer Konten
noch mehr Land - egal wofür
Edelpartys in Palästen Skrupel
bleiben vor der Tür

Kein Gedanke wird verschwendet
an den Preis, den andere zahlen
Charity für das Gewissen
sollen doch Gottes Mühlen mahlen

veredit©08

* Safe Haven: Börsenslang für "besonders sichere Währungen"

vorbei


des Mondes Träume

ich greife mir

wortlos ein Laken



ehe du fragst













veredit©08

Turmzimmer

.



Turmzimmer


oben im Turm
da schreibe ich
Gedanken gleiten
mit den Schwalben um den First


unten gaukeln Sommerträume
über wogende Kartoffelblüten
und sanft drehen die weißen
Riesen ihre Arme im Wind


ab acht ist Stille
am Dorfrand




veredit©08/12



Safe Creative #1204151480615 .

An der Grenze von Myanmar





Kein Schrei nach Leben war zu hören
ganz leis‘ betrat sie diese Welt.
Sie würde ihr niemals gehören,
ihr Leben würde nicht gezählt.

Aus furchtsamen Geschwisteraugen,
so etwa zwanzig an der Zahl,
beäugt, geschätzt, würd sie was taugen?
Sie glauben nicht - zu klein, zu schmal.

Man würde sie nach Thailand schaffen,
der Preis bringt Reis für viele Tage.
Dort können Kerle sie begaffen
und sie wird reich, ganz ohne Frage.

Nun ja, vier Jahre sollte sie schon sein,
vielleicht würd‘ sie den Bruder treffen.
Der ging ganz freiwillig, allein,
erhoffte Geld und reichlich Essen.

Die Kleine hält die Augen zu,
wofür sich diese Welt anschauen?
Besiegelt ist ihr Los, wozu
dem Glück des Lebens erst vertrauen?

veredit - isabella kramer 2008


Wichtige Links zu diesem Thema: http://www.stopchildtrafficking.org/site/uploads/media/deutsch/myanmar.pdf http://www.worldvision.at/

Kinderglück in Ternopil

.



Die U-Bahn donnert durch den Limbus
Frostnacht zerrt an den Plastikdecken
‘ne Tüte Schnüffeln für den Genuss
soll‘n doch die Ratten erst verrecken

nett ist’s im Vorhof unserer Hölle
hier biste sowas von allein -
sollt‘ dich der Kohldampf doch mal quälen
dann ziehste noch ‘nen Propper rein

die Erde ist bestimmt ne Scheibe
und hier steht man an ihrem Rand
doch besser diese Elendsbleibe
als ständig Glück von Vaters Hand

zu Futtern gibt es hier und dort nischt
der Tod zieht jede Nacht die Runde
wenn dann dein Freier auch noch aufmischt
dann geh‘ste kläglich vor die Hunde

man schätzt wir sind so 40.000 -
Ukrainer war'n mal richtig satt
wir hatten Korn und konnten schmausen
nu wer'n nur noch die Bonzen satt



veredit©08




das Foto commons wikimedia The game of the morra in Naples - Photo by Alinari bros. Street children playing morra in Naples in 1890

Inselstille - Pantum




Karges Land in müden Farben
Ocker, grau und weißer Stein
Sanfte Heilung alter Narben
Seele kann sich selbst befreien

Ocker, grau und weißer Stein
Sonnenwarm und windgeschliffen
Seele kann sich selbst befreien
Meerumtost mit scharfen Riffen

Sonnenwarm und windgeschliffen
Inselstille, Zeit gegeben
Meerumtost mit scharfen Riffen
Hoffnung kehrt zurück ins Leben

Inselstille, Zeit gegeben
Karges Land in müden Farben
Hoffnung kehrt zurück ins Leben
Sanfte Heilung alter Narben


veredit©15.06.08

Safe Creative #0911305033986

Jahrgangsspanier



Steingraue Augen, wie Wintermeere,
mittschiffs getroffen und völlig versenkt.
Endlose Blicke, im Kopf nur die Leere -
der Anfang vom Ende - einfach geschenkt.

Kann mich ja selbst gleich zu Asche verbrennen
- oder mich schlicht nur Idiotin nennen.

veredit©08